Berlin, 11. Mai 2007
Pressestatement von Bundesinnungsmeister Dieter Kuhnert im Vorfeld zur Messe Cleaning.Management.Services 2007, die vom 18. bis 21. September 2007 in Berlin stattfand.
Forschungsinstitute bescheinigen positive Zukunftsaussichten
– Dienstleistungsfortentwicklung zum Facility Management als Schlüssel
zum Erfolg
Die
soeben erschienene Zukunftsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft hat
die „Unternehmensbezogenen Dienste“ als Nummer 1 unter den Top-Boom- und
Zukunftsbranchen identifiziert. Der SPIEGEL nannte in seiner Berichterstattung
in diesem Zusammenhang, noch vor der IT-Branche, die Gebäudereinigung als
Beispiel der wachsenden und mit Optimismus in die Zukunft gerichteten Branchen
dieses Sektors. Auch wenn dies mit Freude zur Kenntnis genommen wurde: Grund zu
Optimismus und Boomkompetenz generiert die Branche sicher nicht aus der
klassischen Gebäudereinigung sondern aus ihrer zielsicheren Weiterentwicklung
in Richtung Facility Management.
Die
Fortentwicklung der Angebotspalette hat sich, wie prognostiziert, konsequent
weiter vollzogen. Im Zusammenspiel mit den Kernkompetenzen ‚Management von
Aufgaben’, ‚Management von Arbeiten’ und ‚Management von Menschen’ kristallisiert
sich das neue Image der Branche immer deutlicher heraus. Wenn die öffentliche
Wahrnehmung im Gebäudereiniger-Handwerk fälschlicherweise stets die „Putzer“
der Nation sah, so wandelt sich auch diese aufgrund der aktuellen
Branchenentwicklungen im ICE-Tempo. Als im März diesen Jahres bekannt wurde,
dass die WISAG-Gruppe die ABB Gebäudetechnik GmbH Frankfurt rückwirkend zum 1.
Januar 2007 erworben hatte, machte dies mehr als deutlich, dass frühere
Zukunftsprognosen, wonach Gebäudereinigungsbetriebe künftig von Bau- und
Technikkonzernen geschluckt oder lediglich noch als Subunternehmer im Facility
Management tätig sein würden, gründlich daneben lagen. Fünf der Top-10-Betriebe
im Facility Management haben inzwischen ihren Ursprung im
Gebäudereiniger-Handwerk; diese Fakten sagen deutlicher als alle Worte, welchen
Stellenwert die Branche heute besitzt.
Einen
Stellenwert, der ihr auch in einem aktuellen Branchenporträt Gebäudereinigung,
erstellt von Prof. Michael
Grömling vom Institut der Deutschen Wirtschaft, bescheinigt wird. Mit der
ersten Ausarbeitung dieser Art wurde das Gebäudereiniger-Handwerk vom Autor
unter wissenschaftlichen Aspekten im nationalen, volkswirtschaftlichen Kontext
wie auch im internationalen Vergleich unter die analytische Lupe genommen. Das
Ergebnis zeigt die, in der öffentlichen aber auch internen Wahrnehmung, häufig
unterschätzten vielfältigen Funktionen, die Gewichtung, aber auch die Dynamik
und Stärke des modernen Dienstleistungs-Handwerks Gebäudereinigung. Dynamik,
Stärke und Flexibilität, die die Branche zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben
dringend benötigt.
Mit
der Aufnahme des Gebäudereiniger-Handwerks in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz ist
der Branche ein wesentlicher, wenn auch nicht der endgültig ausreichende
Schritt gelungen, den Herausforderungen zu entgegnen, die mit der, voraussichtlich
ab Mai 2009 endgültigen, Marktöffnung für die neuen EU-Beitrittsländer aus
Mittel- und Osteuropa verbunden sind. Das Gebäudereiniger-Handwerk sagt Ja zum
gemeinsamen Europäischen Markt. Ohne „Wenn“, doch mit einem deutlichen „Aber“:
Das Ja gilt einem Markt mit gemeinsamen Spielregeln. Gibt es diese Spielregeln
nicht, ist es kein Markt sonder ein Bazar – mit dem Feilschen um die niedrigsten
Löhne.
Dem
Entsendegesetz als erster Schritt, den der Bundesinnungsverband in völliger
Übereinstimmung gemeinsam mit der Sozialpartnerin IG BAU gegangen sind, müssen
nach Ansicht des Bundesinnungsverbandes deshalb weitere und mutigere folgen:
die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes in Deutschland. Was in 18 von
25 EU-Staaten als wirksames Instrument und seit langem funktioniert, unterliegt
in Deutschland einer unwürdigen Diskussion mit zum Teil haarsträubenden
Argumenten aus der wirtschaftswissenschaftlichen Mottenkiste. In Deutschland
wird nach wie vor behauptet, dass Arbeitsplätze ins Ausland abwandern, führte
man einen gesetzlichen Mindestlohn ein. Fakt ist: Das Lohnniveau, auf dem wir
uns bei der Diskussion um einen gesetzlichen Mindestlohn befinden, liegt weit
unter dem der Automobilbranche, des Maschinenbaus, der Chemischen Industrie
– mithin der Branchen, die zu Tausenden Arbeitsplätze nicht nur nach Osteuropa
sondern gleich nach China und Indien verlagern, da das enorme Lohngefälle
gerade bei den hochqualifizierten Beschäftigten in diesen Branchen verlockend
ist.
Ein
gesetzlicher Mindestlohn führt deshalb nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen oder
Verlagerungen von Arbeitsplätzen ins Ausland, wie zahlreiche namhafte Studien
bestätigen. Die maßgeblich betroffenen Bereiche der Gebäudereinigung, der Gaststätten,
des Handels, der Bewachung und auch der Friseure können ihre Arbeitsplätze
nicht ins Ausland verlegen.
Bislang
sind tatsächlich noch keine vernünftigen Gründe genannt worden, warum in
Deutschland die Politik hilf- und tatenlos zusieht und lediglich juristisch
unverbindliche Begriffe wie Sittenwidrigkeit und ähnliches in die Diskussion
wirft.
Alle
weiteren Argumente kontra Mindestlohn lassen sich in gleicher Weise widerlegen.
Wir scheuen diese, in unseren
Augen absolut notwendige Diskussion in keiner Weise und sind überzeugt, die
besseren Argumente zu besitzen.
Denn
wir wollen auch künftig unseren rund 800.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
Arbeitsplätze mit einer zum Lebensunterhalt ausreichenden Entlohnung bieten.
Diese zuletzt zurückgegangene Zahl der Beschäftigten ist auf die Verringerung der
geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse im Gebäudereiniger-Handwerk zurückzuführen.
Die Zahl untermauert indirekt zudem, was in sämtlichen Prognosen und
Stellungnahmen des Bundesinnungsverbandes zur Änderung der Handwerksordnung
zum 1. Januar 2004 zu lesen stand: Der Wegfall des Meisterzwangs führt keinesfalls
zu einem Beschäftigungswunder oder gar Jobmotor der neuen Art sondern er wird Heerscharen
von Einzelkämpfern locken, als Einmannbetrieb in der Treppenhausreinigung ihr Glück
zu suchen. Die Zahl der Betrieb stieg von zuletzt 6.874 vor Änderung der
Handwerksordnung auf zum Stichtag 31.12.2006 23.692 – bei zudem nahezu
unverändertem Gesamtumsatz der Branche in Höhe von 11 Milliarden (exakt waren
es 10.936.382.370,00 €) Euro.
Die
Änderung der Handwerksordnung hat demnach weder Arbeit geschaffen noch auch nur
einen Hoffnungsschimmer für das Handwerk mit sich gebracht. Allerdings droht hier
auch keine Gefahr für die Branche, denn ohne entsprechendes Know How ist der anspruchsvolle
Markt längst nicht mehr erfolgreich zu bedienen. Basel II tut sein Übriges und
wirkt weit stärker!
Zu
den positiven Themen der Branche zählt nach wie vor die Ausbildungsbereitschaft
und ‑Leistung. Die kontinuierliche Aufwärtsentwicklung der
Ausbildungszahlen konnte auch in 2005 (Zahlen für 2006 werden erst Mitte 2007
veröffentlicht) um 6,2 Prozent auf nun 4.371 gesteigert werden. Der hohe
Stellenwert der Ausbildung wird vom Bundesinnungsverband seit der erstmaligen
Vergabe im Rahmen der CMS 2005 mit dem Ausbildungspreis im
Gebäudereiniger-Handwerk gewürdigt. Mit ihm wird auch in diesem Jahr, zum
dritten Mal in Folge, der Betrieb ausgezeichnet, den eine vorbildliche
Ausbildungsleistung als vorbildhaftes Unternehmen kennzeichnet. Die
Preisverleihung findet auch in diesem Jahr im Rahmen der CMS im Vorfeld der
Mitgliederversammlung des BIV am 21. September 2007 statt. Die bisherigen Preisträger:
Unternehmensgruppe Gegenbauer (2005) und Firmengruppe Niederberger (2006).
Der Bundesinnungsverband des
Gebäudereiniger-Handwerks vertritt als Arbeitgeber- und Dachverband die Interessen
seiner rund 2.500 Mitgliedsbetriebe. Die von ihm vertretene Branche bietet
ihren rund 800.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze in
den verschiedensten Bereichen der Gebäudedienstleistungen, auch weit über den
Bereich der klassischen Gebäudereinigung hinaus!
Für weitere Informationen steht Ihnen das BIV-Team, Dottendorfer Str. 86, 53129 Bonn,
per Tel. 0228-917750, Fax 0228-9177511 oder eMail cs@gebaeudereiniger.de jederzeit gerne zur Verfügung!
Internet: http://www.gebaeudereiniger.de
Ansprechpartner:
Bundesinnungsmeister Dieter Kuhnert
Geschäftsführer RA Johannes Bungart
Stellv. Geschäftsführerin Christine Sudhop